stettler  kunstglaserei & glasmalerei gmbh

bern

Hochgotik (14. Jahrhundert)

 

Durch das Grösserwerden der Fenster in der Gotik konnten die Glasmalereien, wie oben erwähnt, immer dunkler werden. Für die einfache Dekoration in diesen frühgotischen Kirchenräumen war das Licht, das durch die dunkeln, mosaikartigen Glasmalereien drang hell genug.

Im ausgehenden 13. Jahrhunderts wurde die Ausstattung der Kircheninnenräume immer verspielter und reicher. Dieser Umstand zwang die Glasmaler dazu, mehr Licht in den Kirchenraum zu lassen um die Feinheiten dieser Baukunst zu erkennen.

Auch für eine weitere architektonische Neuerung mussten gestalterische Lösungen gefunden werden. Die immer grösser werdenden Fensteröffnungen mussten mit senkrecht eingezogenen Steinrippen abgestützt werden. Dadurch entstanden sehr hohe und schmale Streifen: die sogenannten Lanzetten, welche oben mit einem Masswerk abschlossen. Die Medaillons, die in diesen Lanzetten noch Platz fanden, waren zu klein, als dass sie noch gut lesbar waren.

Eine Lösung war die Vergrösserung der Medaillons. Sie nahmen fast die gesamte Breite des Fensters in Anspruch und wurden dadurch von den  Lanzettenpfosten geteilt. Eine Szene konnte sich also seitdem über mehrere Felder erstrecken.

Bei einer anderen Lösung wurden die schmalen Lanzetten durch Darstellungen von Architekturelementen verkürzt oder unterteilt. Dabei werden grosse biblische Figuren dargestellt, die von einem Baldachin aus weissem oder gelbem Glas gekrönt sind.

Da durch diese hellen, gläsernen Baurisse, die oft mehr Platz einnahmen als die eigentlichen erzählenden Teile des Fensters, sehr viel Licht eindrang konnte man die Figuren und deren unmittelbaren Hintergrund weiterhin in sehr satten Farben gestalten.

 

Sechs Merkmale hochgotischer Glasmalerei:

• Die Fenster werden durch eine auffällige Damastverzierung bereichert. Diese Verzierung belebt nicht nur die Medaillonszwischenräume. Besonders stiltypisch sind sie als Figurenhintergrund.

• Durch die perspektivische Zeichnung von Einzelheiten und durch das Einsetzen verschiedener Bildebenen wird ein räumlicher Eindruck erreicht.

• Plastische und stoffliche Wirkung der Einzelteile wird angestrebt, aber noch nicht ganz erreicht. Die Natur wird beobachtet und kopiert.

• Erste Bereiche der Fenster werden mit Silbergelb und Überfangausschliff veredelt.

• Der stiltypische "S-Schwung" bestimmt die Haltung von vielen Figuren.

• Die Gesichter der Personen sind auch weiterhin sehr schematisch gezeichnet. Sie unterscheiden sich untereinander eigentlich nur durch die Haarpracht.

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Klosterkirche Königsfelden