stettler  kunstglaserei & glasmalerei gmbh

bern

Klassizismus / Neugotik (1750 - 1890) Wiederbelebung der Glasmalerei

 

Zeitbild

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts macht unser Wirtschaftssystem eine rasante Entwicklung durch. Technische Erfindungen wie die Dampfmaschine, die Eisenbahn oder der mechanische Webstuhl ermöglichen eine Mechanisierung und Rationalisierung der Warenproduktion. Es entstehen erste Industriestädte.

Die geistige Bewegung, die dieser wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung entspricht, ist die „Aufklärung“. Die umwälzenden technischen Entwicklungen fördern einen uneingeschränkten Fortschrittsglauben.

Die „Aufklärung“ mündet in die politische Forderung der Französischen Revolution: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.

Dieser so genannten Industrialisierung stand eine von Intellektuellen und Künstlern vertretene Geisteshaltung entgegen, die „Romantik“. Die Menschen die der romantischen Bewegung nachgingen bezogen ihre Inspiration aus den mittelalterlichen Sagen- und Märchenwelten.

 

Architektur

Die Klassizistische Architektur geht eigentlich auf die griechische und römische Formensprache zurück, ist aber ein eigentlicher Mix aus verschiedenen historischen Stilen. Deshalb spricht man am Ende des Klassizismus auch von Historismus. Es entstanden neben den klassischen, auf die Antike zurückgehenden Gebäuden auch neuromanische, neugotische, Neurenaissance- oder Neubarock – Bauten.

In der kirchlichen Baukunst wurde in der Regel neugotisch gebaut.

 

Neugotische Glasmalerei

Mit dem Aufkommen einer romantischen, ins Mittelalter zurückblickenden Weltanschauung besann man sich wieder auf die alte Kunst der Glasmalerei. In den sakralen Bereichen wurde besonders die gotische Kunst und Architektur verehrt.

In dieser Zeit wurden viele Bestände mittelalterlicher Glasmalerei restauriert. Und fehlende Fenster wurden ergänzt. Dass sich diese neu entworfenen Bildfenster den gotischen Gestaltungsregeln unterzogen, ist selbstverständlich.

Es wurden viele gotische Kathedralen nach bestehenden Plänen vollendet (z. B. die Turmspitze des Berner Münsters). Auch die wenigen neu gebauten Kirchen wurden mit "neuen gotischen" Glasmalereien verglast.

Bei der Gestaltung der Bildfenster in der Neugotik kann von einer eigentlichen Stilkopie des 15. Jahrhunderts gesprochen werden.

Auch in dieser Zeit wurde die Komposition der grossen gotischen Fensteröffnungen durch das Einsetzen von Medaillons oder einem sogenannten "gläsernen Bauriss" organisiert. Natürlich handelt es sich bei der abgebildeten Architektur auf dem "Bauriss" um gotische Spitzbogen und Fialtürme.

Die Unterschiede zu der spätgotischen Glasmalerei des 15. Jahrhunderts bestehen in dem Realismus der dargestellten Figuren der vorher nie erreicht wurde. Sie scheinen vor den Fenstern zu schweben.

 

Dieser Naturalismus lässt sich mit blossem Schwarzlotauftrag nicht erreichen. Es kommen (von der Porzellanmalerei beeinflusst) zusätzlich Schmelzfarben zum Einsatz. Diese Farben, die oft auf der Aussenseite der Gläser aufgetragen wurden, erschweren die Restaurierungsmassnahmen in der heutigen Zeit erheblich.

Zusätzlich wurden in einigen Fällen Malschichten zur Kolorierung  oder Schattierung aufgetragen die in tieferen Temperaturen eingebrannt wurden und dadurch sehr anfällig auf Verwitterung sind.

 

Drei Merkmale der neugotischen Glasmalerei

• Fensteraufteilung wie in der eigentlichen Gotischen Glasmalerei (siehe Früh,- Hoch- und Spätgotisch).

• Sehr naturalistische Glasmalerei. Oft „romantisch süsse Darstellungen („schmachtender Blick“).

• Zum Teil grossflächiger Einsatz von Schmelzfarben und niedrig gebrannten Schattierschichten.

 

 

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Chorfenster des Berner Münsters